Namibia - Landesinformation
In Namibia arbeitet seit Jahrzehnten die vor Ort ansässige "Kriegsgräberfürsorge Namibia" ehrenamtlich mit sehr großem Engagement für den Volksbund. Sie betreuen über 2.800 Gräber an über 200 Orten in Namibia, Südafrika, Angola, Botswana und Zimbabwe. Jährlich legen die Helferinnen und Helfer bei ihren Pflegeeinsätzen eine Strecke von 15.000 Kilometern und mehr zurück, die sie durch Busch und Savanne führt.
In Namibia befinden sich die Grablagen von über 2.800 deutschen Militärangehörigen. Über 2.100 Tote waren Angehörige der deutschen Schutztruppe, die als Teil der deutschen Kolonialadministration im ehemaligen deutschen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika von 1889 bis 1915 ihren Dienst verrichtete. Über 670 Kriegsgräber sind direkt dem Ersten Weltkrieg zuzurechnen – hierbei handelt es sich um Marine- und Heeresangehörige unterschiedlicher Verbände. 37 Gräber stammen dagegen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.
Zur Geschichte des Landes: Im Mai 1883 erwarb der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz mittels betrügerischer Verträge von dem vor Ort ansässigen Volk der Nama einen großen Streifen Land, der noch heute als Lüderitzbucht bekannt ist. Bereits ein Jahr später stellte das Deutsche Reich Lüderitz‘ (inzwischen durch weitere Landkäufe enorm angewachsene) Besitzungen unter offiziellen Schutz und schloss entsprechende Vereinbarungen mit Portugal und Großbritannien. In den folgenden Jahren erkannten die ansässigen Stämme der Nama und Herero, dass die „Schutzverträge“ mit den Deutschen mehr Fluch als Segen für den eigenen Fortbestand darstellten und versuchten diese Verträge wieder zu kündigen. Doch die Kolonialisierung war nicht mehr aufzuhalten. Ab 1889 wurde mit der deutschen Schutztruppe ein ständiger Militärverband in der Kolonie geschaffen. Zugleich begann die Einreise deutscher Siedler und die Anlage neuer Städte.
Die zunehmenden Konflikte zwischen den vor Ort ansässigen Volksstämmen, den deutschen Siedlern und der deutschen Kolonialverwaltung führten zu mehreren Aufständen, die von deutscher Seite mit brutaler Härte niedergeschlagen wurden. Der bekannteste Aufstand ist der Kampf der Nama und Herero. In diesem Konflikt erlitten die zahlmäßig zunächst weit unterlegenen deutschen Schutztruppen hohe Verluste. Zu Denkmälern umgewandelte deutsche Forts und die vielen Kriegsgräberstätten zeugen heute noch von diesen Kämpfen. Der Widerstand der Nama und Herero führte jedoch zu einem seitens des deutschen Militärs zunehmend erbarmungslos geführten Vernichtungskrieg, der 1904 in einem Völkermord mündete. Die „Befriedung“ Deutsch-Südwestafrikas forderte über 60.000 Opfer, wovon die Mehrheit einheimische Nicht-Kombattanten waren.
Vergleichsweise kurz war dagegen der Waffengang der deutschen Schutztruppe im Ersten Weltkrieg. Eingekreist von wesentlich stärkeren und besser ausgerüsteten Kriegsgegnern, konnten die deutschen Verbände im Ersten Weltkrieg nur hinhaltenden Widerstand leisten. Die vergleichsweise hohen deutsche Verluste im Ersten Weltkrieg sind dabei weniger auf unmittelbare Kampfhandlungen, sondern mehr auf Krankheiten und Unfälle zurückzuführen. Bereits am 09. Juli 1915 ergab sich die deutsche Schutztruppe südafrikanischen Truppen. Ihre aktiven Angehörigen wurden bis Kriegsende (ausgenommen die gegen Parole entlassenen Offiziere) im Kriegsgefangenenlager "Aus" im Südwesten Namibias interniert.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kam Deutsch-Südwestafrika zunächst unter südafrikanische Verwaltung und errang erst 1990, als einer der letzten afrikanischen Staaten, seine Unabhängigkeit. Heute leben rund 20.000 Menschen in Namibia, die deutsch als ihre Muttersprache angeben.